Dienstag, 9. November 2010

Eat, pray, go up the hill


So. Jetzt ist fertig. Mit diesem Eat-pray-love-dings habe ich jetzt ein halbes Jahr, äh, geschlafen. Sechs Monate lag der New York Times Bestseller (!) in meinem Bett und hat mich genervt. Habs nur bis Seite 135 oder anders: bis Italien geschafft. Bis die gute Frau Gilbert in Indien angekommen sein wird und Bali, bin ich fünfzig und zu alt für die Thirtysomething-Lebenskrise. Ich weiss auch nicht, warum es mich so aufregt, von einer Amerikanerin Italien erklärt zu bekommen - Elizabeth Gilbert kommt schliesslich vom anderen Ende der Welt oder so und schreibt erst noch lustig, unterhaltsam und flüssig.
Aber irgendwann muss man sich von nichtfertiggelesenen Büchern trennen und in diesem Fall ist das jetzt. "Eat pray love" hat mir lange genug den Schlaf nicht geraubt.
Nein, den Film habe ich nicht gesehen. Wurde mir abgeraten.

Dieser Ausdruck gefällt mir übrigens sehr - den Schlaf rauben. Als ob ein Einbrecher in mein Zimmer kommt, mir den Schlaf wegreisst und sich wieder davonschleicht. Ohne Gewalt und ganz leise.
Den Schlaf rauben, das übernimmt im Moment dieses verfluchte Jass-App. "Samschtig" macht mich fertig, also, wer mich vor allem fertig macht, ist mein Jasspartner. Er heisst "Compi 2". Schiebern kann er noch so halb, obwohl: Auf Match jassen muss man mit Compi 2 nicht wollen. Das checkt er nicht. Vom Coiffeur hat er zwar ein bisschen eine Ahnung, spielt aber richtig komisch. Gestern um 2.40 Uhr machte er ersterhand (!) Schellen ohne Under und ohne Nel. Pffffffff.

Nächtens jasse ich also, und wegen dem Einbrecher und auch sonstiger Unruhe gehe ich dann am Tag zur Yogastunde. Gestern passierte dort folgendes:

Indische Musik, acht oder so Frauen verbiegen sich, so gut wies geht, es herrscht so eine Meditationsstimmung, so scheint es wenigstens. Weil ich nicht so Lust auf Meditation habe, überlege ich mir im zweiten Krieger gerade, was ich zum Zmittag essen soll. Das tu ich selbstverständlich tonlos, weil: Im Yoga ist Lärm nicht erlaubt. Es gibt nur indisches Geklimper und Betgesänge, oder was auch immer sie dort jeweils abspielen. Gut. Dann geht ein Handy los. Und zwar mit dieser nervigen Swisscom-Melodie. Es klingelt sehr laut und ziemlich lang. Alle halten den Atem an (der dummerweise gerade in den ersten Krieger hätte fliessen sollen), ausser eine Frau in der hintersten Reihe. Die steht auf, wühlt in der Tasche, holt das jetzt penetrant laut klingelnde Handy hervor und nimmt ab! Zwei Sekunden Stille. Dann: "Du nein, ich bin grad am Turnen!" Klappt das Handy zu und schreitet seelenruhig wieder auf die Yogamatte.
Irgendwie geil.

Und jetzt gehts up the hill. Weil ich so Sehnsucht nach den Bergen habe.

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